Showhalfter: Birgit Koll  & Picture as usual by Julia Moll
Showhalfter: Birgit Koll & Picture as usual by Julia Moll

Folgt man der Annahme, dass die Vollblutaraberzucht zu Lebzeiten des Propheten Mohammed begann oder eine neue Tradition begründete, dann bestehen die Stammlinien seit rund 1400 Jahren. Mohammed prüfte die Stärke und Loyalität seiner Pferde, indem er die nach einem Kampf durstenden Tiere frei ließ, damit sie ihren Durst an einer Wasserstelle stillen können. Während alle davon liefen, rief er sie zurück. Von den frei gelassenen Pferden kehrten lediglich fünf Stuten um, die zuerst dem Ruf ihres Herrn und nicht ihren eigenen Bedürfnissen folgten. Sie sind bekannt als „Al Khamsa“ – die Fünf, mit denen die Zuchtauswahl begann. Die Zucht lag über Jahrhunderte in der Hand der Beduinen. Aus ihnen bildeten sich fünf verschiedene Typen des (asilen) Araberpferdes mit jeweils markanten Merkmalen. Im Mittelalter erlangten die Pferde im europäischen Raum wegen ihrer Eigenschaften, die den schwereren Kampfpferden und Zeltern fehlten, einen besonderen Ruf. Durch die Mauren in Spanien und durch die Kreuzfahrer in der Levante wurden die Araberpferde zum begehrten Objekt. Als herrschaftliche Geschenke oder Kriegsbeute, selten als Handelsware, gelangten die ersten Araberpferde nach Europa. Hier kam es zu Einkreuzungen mit anderen Pferderassen. Im 18./19. Jahrhundert nahm die Araberzucht in Europa Fahrt auf. Zunächst wurden noch vereinzelte Zuchtpferde in unterschiedlichen arabischen Ländern gekauft und mit den regionalen Pferderassen gemischt, um bestimmte Eigenschaften und Merkmale heraus zu züchten. Es entstanden Mischrassen, wie der Anglo-Araber, der Shagya-Araber und Arabische Halbblüter. Dann wurde wieder auf die Zucht der reinrassigen Merkmale mehr Wert gelegt und die ersten Arabergestüte entstanden. Die Weiterführung einer Zuchtlinie führte beispielsweise bei den Shagya-Arabern zum Entstehen einer eigenen Rasse. Seit fast vierzig Jahren ist sie vom Weltverband der Araberzucht (World Arabian Horse Organization – WAHO) anerkannt.

 

Die Bezeichnung „Araberpferd“ wird im allgemeinen Sprachgebrauch daher für alle Pferde des arabischen Typus gebraucht. Fachlich versteht man, nach den Regeln der deutschen Züchtervereinigungen, unter einem Araberpferd ein solches, welches als Vorfahren fast ausschließlich Vollblutaraber, Shagya-Araber und/oder Araber besitzt und höchstens in der fünften Vorgeneration eine Fremdrasse aufweist.